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TK 2

Werfen wir einen kleinen Blick in die Zukunft:
Durch die Straßen fahren Autos, die Fahrersitze bleiben leer. Die Autobesitzer haben nun Zeit, während der Fahrt andere Dinge zu erledigen wie schlafen oder ihre online Einkäufe zu erledigen.
In den Gerichtssälen gibt es kaum noch Richter, über Recht und Unrecht entscheiden Algorhythmen. Eine wirklich objektive Rechtsprechung ohne Befangenheit und Vorurteile ist erreicht.
Auf den Schlachtfeldern sterben keine Frontsoldaten mehr. Stattdessen werden von entfernten Kommandozentralen Kampfmaschinen losgeschickt.
Eine vollkommen gerechte und sichere Welt ohne menschliches Versagen. Die Menschheit steht an der Spitze des technisch Möglichen unter der Herrschaft von Rationalität und Effektivität.
Eine scheinbar perfekte Welt?
Doch wer ist schuld, wenn ein autonom fahrendes Auto einen Menschen auf der Straße überfährt?
Ist eine vollkommende Objektivität wirklich erstrebenswert oder brauchen wir einen Einfluss moralischer Werte bei der Urteilsfindung?
Wer ist dafür verantwortlich, wenn Drohnen oder andere Kampfmaschinen Zivilisten töten?

Was sich anhört wie science fiction nähert sich mit großen Schritten der Realität. Schon jetzt gibt es viele Autos, die selbstständig einparken und Tesla ist drauf und dran, massentauglich selbstfahrende Autos auf den Markt zu bringen. Doch die Aufarbeitung der juristischen Fragen z.B. der Haftung bei Unfällen hinkt noch weit hinterher. In den USA ersetzen bereits Programme wie „Ross Intelligiance“ teilweise die Arbeit von Rechtsanwälten. Kann sowas so weit geführt werden, dass Richter mit ihren moralischen und subjektiven Wertungen auf ein Urteil irgendwann obsolet werden? Und inwieweit können solche Programme in das deutsche Recht eingefügt werden? Auch aktuelle Konflikte haben gezeigt, dass eine klassische Kriegsführung nicht mehr zeitgemäß ist. Beim Einsatz von Drohnen und anderen Geräten stellt sich immer mehr die Frage, wer Verantwortung übernehmen muss.

An den Beispielen sieht man, dass der technische Fortschritt auch einen großen Einfluss auf sowohl moralische als auch auf rechtliche Fragen hat. In unserem Themenkreis wollen wir die Relationen zwischen Fortschritt, Moral und Recht beleuchten und Fragen diskutieren, die für unsere Zukunft wichtig sind.


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Referenten:

Prof. Dr. Xiaoyi Jiang
Leiter des Lehrstuhls für Mustererkennung und Bildanalyse, Dekan des Fachbereichs Mathematik und Informatik

Michael Grupp
Rechtsanwalt und Unternehmer, Gründer und Geschäftsführer von Lexalgo, Mitglied der Executive Faculty des Bucerius Center of the Legal Profession an der Bucerius Law School, Hamburg
Künstliche Intelligenz im Recht - zwischen Hype und Hoffnung

Prof. Dr. Catrin Misselhorn
Direktorin des Instituts für Philosophie der Universität Stuttgart, Pro-Dekanin der philosophisch-historischen Fakultät
Pflegeroboter - ethische und philosophische Fragestellungen 

Prof. Dr. Frank Kirchner
Standortleiter des Deutschen Forschungsnetzes für Künstliche Intelligenz in Bremen, Verantwortlicher für den Forschungsbereich Robotics Innovation Center
Mensch, Maschine und Recht

Dr. Dirk Gratzel
Alleiniger Geschäftsführer der PRECIRE Technologies GmbH
Persönlichkeitsprofile durch künstliche Intelligenz - kann die Technologie Arbeitskräfte ersetzen? 

Die Vortragsthemen können wegen kurzfristiger Änderungen von den o. g. Themen abweichen.