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TK 2 - Homo Sapiens 2.0

Homo Sapiens 2.0

Am 8. Tag schuf der Mensch den Menschen

 

Spätestens seit Klon-Schaf Dolly ist klar: Der Mensch kann die Schöpfung neuen Lebens selbst in die Hand nehmen. Die neueste Ausprägung dieser Entwicklung lieferte letztes Jahr der chinesische Wissenschaftler He Jiankui, als er laut eigenen Angaben durch die sogenannte Crispr/cas9-Methode dafür sorgte, dass HIV-resistente Kinder zur Welt kamen. Zwischen diesen Ereignissen liegen gerade einmal zwanzig Jahre. Das wirft die Frage auf, was in zwanzig Jahren möglich sein wird – und was für Chancen und Risiken damit einhergehen.

Hierbei ist zunächst zwischen zwei Arten des Klonens zu unterscheiden: Bei Dolly handelt es sich um einen Fall des reproduktiven Klonens. Hierbei wird ein neues identisches Lebewesen erschaffen. Wenn Wissenschaftler hingegen durch Manipulation des Erbguts im Vorfeld der Schwangerschaft in die Entwicklung des Lebens eingreifen, spricht man vom therapeutischen Klonen. So sind auch die erwähnten chinesischen Kinder zur Welt gekommen.

Ob durch das therapeutische Klonen „Mängel“ zukünftigen Lebens schon von vornerein „ausgemerzt“ werden dürfen, ist eine schwere und ethisch und emotional stark aufgeladene Frage. Die Welt und auch Europa haben darauf bisher keine einheitliche Antwort.

Der deutsche Gesetzgeber antwortet mit dem Embryonenschutzgesetz von 1990 an dieser Stelle mit einem klaren „Nein“. Allerdings ist diese Wertung 20 Jahre her.

Unser Grundgesetz stellt den Schutz der menschlichen Würde klar als Direktive allen staatlichen Handels fest. Das wirft im Zusammenhang mit dem therapeutischen Klonen viele Fragen auf: Schützt diese Garantie ein menschliches Leben auch schon vor seinem juristischen Beginn vor pränataler Behandlungen seines Erbguts? Oder wird die Ermöglichung eines Lebens in Würde gerade dadurch verwirklicht, dass in Zukunft kein Mensch mehr mit Erbkrankheiten leben muss?

Diese Fragestellungen führen schnell in eine juristisch sehr spannende ethische Grauzone. Nimmt man tatsächlich an, dass diese medizinische Chance zwecks der Beseitigung fehlerhaften Erbguts genutzt werden sollte, stellt sich hier zudem eine hoch komplexe Frage der Abgrenzung: Wo hören medizinische Notwendigkeiten auf und wo beginnen rein „kosmetische“ Eingriffe? Eine Realität, in der Babys in Zukunft als Katalogware nach Wunsch angefertigt werden können, wird rein wissenschaftlich von Tag zu Tag möglicher.

Folgendes darf bei dieser Diskussion aber auch nie außer Acht gelassen werden: Mit jeder vorgeschlagenen „Verbesserung“ zukünftiger Leben durch diese Methode wird das Leben von Menschen, die aktuell mit diesen Beeinträchtigungen leben, indirekt als lebensunwürdig erklärt.

Unsere deutsche Geschichte lehrt uns, dass ein Denken in solchen Kategorien schnell verheerende Auswirkungen haben kann.

Mit diesen aufgeworfenen Fragen reiht sich der Themenkreis 2 in das Oberthema des diesjährigen JuraForums „Innovation und Verantwortung“ ein. Wir möchten versuchen, zu erarbeiten, wie die Menschheit ihre wissenschaftlichen Kapazitäten ausnutzen kann, dabei gleichzeitig aber auch verantwortungsbewusst mit diesem zuvor allein der Schöpfung vorbehaltenen Potential um zu gehen.

Sobald für den Themenkreis Referenten zugesagt haben, werden sie hier erscheinen.