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TK 3 - Genration „Überfluss“

Generation „Überfluss“

Muss die Welt den Gürtel enger schnallen?

 

„Es steht mal wieder der Wocheneinkauf vor der Tür und für das Grillen mit ein paar Freunden heute Abend am Aasee müssen auch noch einige Dinge besorgt werden. Vorsichtshalber checke ich also vorher nochmal die Bestandssituation meiner Essensvorräte bloß nicht einmal zu viel in den Supermarkt laufen müssen. Bei einem prüfenden Blick in den Kühlschrank springt mir natürlich sofort der Joghurt ins Auge, der laut Hersteller nur noch mindestens bis heute haltbar ist. Den schmeiße ich mal lieber weg man weiß ja nie und eine Lebensmittelvergiftung kann ich mir jetzt gar nicht leisten. Und die leicht schrumpelige Gurke daneben hat ihre besten Tage offensichtlich auch schon hinter sich, daher wandert sie auch direkt mal in den Müll. So, fertig.“

Pro Kopf und Jahr landen in Deutschland ca. 55 kg Lebensmittel im Müll von Privathaushalten. Die Hälfte davon ist vermeidbar. Bei einem Drittel der vermeidbaren Abfälle handelt es sich um Obst und Gemüse.

„Für die kurze Strecke zum Supermarkt lasse ich das Fahrrad heute stehen und nehme lieber den Bus. Schließlich muss ich die Einkäufe ja auch wieder gut nach Hause transportiert bekommen. Im Supermarkt angekommen, greife ich wie selbstverständlich zur in Plastik eingeschweißten Bio-Gurke. Eine Avocado darf aber natürlich auch nicht fehlen. Neulich habe ich doch wieder gehört, wie gesund die für michsein soll. Insgeheim weiß ich natürlich, dass mein ökologischer Fußabdruck dadurch nicht gerade schrumpft, aber man muss sich ja auch mal was gönnen dürfen.“

Der Anbau von 1 kg Avocados verbraucht ca. 1000 Liter Wasser. Dabei wird die Avocado typischerweise in Ländern angebaut, in denen ohnehin schon Wasserknappheit herrscht. Dazu müssen ca. 80 % der nach Deutschland importierten Avocados tausende Kilometer an Transportwegen zurücklegen, wobei sie in Containern aufwändig gekühlt werden müssen.

„Ein paar Erdbeeren als Snack für zwischendurch wären jetzt im Frühling aber auch mal wieder nicht schlecht. Wir haben zwar erst Mitte April und die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus Deutschland kommen, ist daher mehr als gering, aber sie sind schließlich gerade im Angebot da kann ich einfach nicht widerstehen. Danach führt mich mein Weg noch zum Kühlregal, in der Hoffnung, dort möglichst günstiges Grillfleisch für heute Abend zu finden.“ (Für die Produktion von Lebensmitteln werden häufig wertvolle Ressourcen verbraucht. Bei der Herstellung von 1 kg Rindfleisch werden über 15.000 Liter Wasser verbraucht und es entstehen ca. 13,3 kg CO2.) „Fast an der Kasse angelangt, wandern noch schnell die Schokoriegel in meinen Einkaufskorb einzeln verpackt und dann alle zusammen in eine große Verpackung gesteckt.“

In Deutschland hat der Anteil an Kunststoffverpackungen seit dem Jahr 2000 um 74 % zugenommen.

„Wenn ich mir meine Einkäufe so anschaue, wünschte ich mir manchmal, dass jemand im Supermarkt neben mich tritt, mir auf die Finger haut und mich fragt: brauchst du alle diese Dinge wirklich? Da es diese Person aber nicht gibt, stelle ich später beim Bezahlen natürlich überrascht fest, dass ich mal wieder viel mehr eingekauft habe als zuvor geplant. Da brauche ich wohl doch noch eine zusätzliche Plastiktüte was soll’s, kostet ja nur 15 Cent. Zurück zu Hause läuft mir vor dem Hauseingang der Paketbote in die Arme, der mir endlich meine Bestellung beim Onlineversandhandel bringt. Es fehlt mir einfach die Zeit, um selbst in den Laden zu gehen. Und ist es nicht viel bequemer, die Sachen zu Hause anzuprobieren und falls nichts dabei ist, alles später wieder kostenlos zurückschicken zu können? Einfach genial!“

Seit 2005 hat sich der Umsatz im Onlineversandhandel mehr als verdreifacht. Die vielen Retouren verbrauchen dabei sehr viel Energie für die Transporte und Teile der zurückgeschickten Waren werden sogar direkt entsorgt, da dies für den Händler preiswerter ist, als die Produkte nochmal auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen und neu zu verpacken.

„Bei der Gelegenheit drückt mir der Paketbote auch direkt noch zwei Päckchen für meine Mitbewohnerin in die Hand, da sie momentan mal wieder durch die Welt jettet heute München, morgen Paris: sind ja heutzutage alles keine Distanzen mehr. Und alles mit dem Flugzeug versteht sich.Beim gemeinsamen Grillen abends fällt mir auf, dass meine Freunde und ich alle mal wieder viel zu viel mitgebracht haben. Aber die Reste samt Plastikbesteck und Einmalgrill lasse ich aus Bequemlichkeitsgründen lieber liegen. Erst am nächsten Morgen fällt mir auf dem Weg zur Uni das Schlachtfeld auf, das wir und hunderte Andere abends zuvor auf der fast nicht mehr als solche zu erkennenden Wiese am Aasee hinterlassen haben.“

2016 belief sich der Verpackungsabfall hierzulande auf ca. 18 Millionen Tonnen, das macht 220,5 kg pro Kopf.

Sobald für den Themenkreis Referenten zugesagt haben, werden sie hier erscheinen.