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TK 3 - Schwache Frau, starker Mann?

Rechtliche und gesellschaftliche Hürden der Gleichstellung

 

Gleiches Entgelt für gleiche Arbeit. Was sich nach einem leicht nachvollziehbaren und fairen Prinzip anhört, bereitet in der Umsetzung nicht unerhebliche Probleme: Frauen verdienen in Deutschland immer noch 5,5 % weniger als Männer, die die gleiche Tätigkeit verrichten – nur aufgrund ihres Geschlechts. Dahingehend besonders erschreckend: In den Niederlanden verdienen Transsexuelle nach der Umwandlung zum weiblichen Geschlecht durchschnittlich 20% weniger!

Berücksichtigt man neben dieser unmittelbaren Entgeltdiskriminierung, dass Frauen häufig in Branchen mit niedrigen Löhnen arbeiten, weniger Führungspositionen besetzen und aufgrund von Familienplanung berufliche Unterbrechungen einplanen müssen, verdienen sie im Schnitt ganze 21 % weniger als Männer. Leider setzt auch der Staat durch die steuerlichen Erleichterungen im Ehegattensplitting einen Anreiz für eine ungleiche Verteilung von Entgelt zwischen den Ehepartnern.

Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter seit Jahrzehnten im GG, im AGG und auch in europäischen Regelungen verankert ist, fehlt es dem Gleichstellungsprozess an Antrieb: Bliebe das Tempo der politischen Maßnahmen gleich, sei eine wirtschaftliche Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt laut Weltwirtschaftsforum weltweit erst in 217 Jahren möglich. Was bremst uns aus? 

Das 2017 in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz soll geschlechtsspezifische Verzerrungen und Diskriminierungen bei Entgeltregelungen aufdecken. Doch vermag es das Entgelttransparenzgesetz auch, die Lohnlücke zu schließen? 

Mit medialen Kampagnen wie #aufschrei oder #metoo wird die Aufmerksamkeit aktuell auf das sexuell grenzüberschreitende Verhalten einiger Männer gerichtet, was eine SexismusDebatte auslöste, die Zuspruch, aber auch viel Gegenwind erfährt.

„Wenn Frauen sich so aufreizend anziehen, dann sind sie doch selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt werden.“ - „Warum wehren sich die Frauen denn nicht direkt?“ - „Was darf man als Mann denn dann noch sagen?“ 
Aussagen, die Opfer zu Schuldigen machen, die Übergriffe bagatellisieren und damit legitimieren. Aussagen, die die Deutung einer sexuellen Belästigung der Frau überlassen sollen, wobei auch Männer in der Lage sind, Grenzüberschreitungen einzuschätzen.  Verkennen nicht solche Urteile, dass Machtgefälle zwischen Mann und Frau – wie z.B. am Arbeitsplatz – ein reales, nicht zu unterschätzendes soziales Problem darstellen, das die Ungleichheit der Geschlechter weiter verstärkt?

Filme, Reality-TV und Werbung fördern durch ungleichwertige Darstellung der Geschlechter Rollenklischees, die Männern und Frauen Eigenschaften und Verhaltensmuster zuschreiben als wären diese ganz natürlich veranlagt. Unabhängige Lebensentwürfe fern von Geschlechterstereotypen werden häufig vermisst. Männern soll das leistungsstarke Auto als Begleiter für abenteuerliche, freiheitsstrebende Fahrten in jedem Gelände verkauft werden, während sich Frauen bei Werbungen für Waschmittel zur optimalen Fleckentfernung angesprochen fühlen dürfen.   Im Reality TV erfüllt die Frau das Bild des zickigen „Naivchens“, das sich emotional von machohaften Männern abhängig macht, während der Mann sich vor Angeboten kaum retten kann.  Warum trauen sich nur wenige Firmen und Produzenten, diese Vorurteile abzulegen? Wie können die längst nicht mehr zeitgemäßen Klischees, damit unserer Gesellschaft der Weg zum gleichberechtigten Fortschritt offensteht? Dazu will TK 3 u.a. mit Frauen ins Gespräch kommen, die es geschafft haben, diese Stereotypen zu überwinden: Sportlerinnen, Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen…

Neben der Abwertung der Frau werden durch die Stereotypisierung auch die Chancen der Männer beeinträchtigt, was es unentbehrlich macht, dass auch sie in der Gleichstellungspolitik berücksichtigt werden und aktiv am Gleichstellungsprozess teilhaben. Es geht darum, dass sich Jungen und Männer für Berufe in der Pflege und in erzieherischer Tätigkeit angesprochen fühlen. Darum, dass Väter in Elternzeit gehen und nicht das Bild des strikt arbeitenden Familienernährers erfüllen müssen. Darum, dass sehr wohl auch Männer Opfer von Gewalt und Misshandlung sein können.  Rechtliche und gesellschaftliche Normen müssen Sorge dafür tragen, dass auch Männer ihr berufliches und persönliches Entfaltungspotenzial erschöpfen können: Nicht das Rollenklischee, sondern das eigene Interesse und die persönlichen Fähigkeiten sollen im individuellen Lebensmodell verwirklicht werden dürfen. Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein wichtiger Indikator der sozialen Gerechtigkeit und der Fortschrittlichkeit einer modernen Gesellschaft, in der es kein schwaches Geschlecht geben sollte. 

Dass Gleichstellung heute kein Frauenthema mehr ist, zeigt das ernsthafte Engagement von Männern: Sei es Justin Trudeau, der kanadische Premierminister, der auf dem Weltwirtschaftsforum an die Chancengleichheit der Geschlechter erinnert; seien es Hollywood Stars, wie Chris Hemsworth, die sich in Emma Watsons Kampagne „He for She“ engagieren, oder auch den Universitäten Professoren wie Prof. Dr. Joachim Englisch, die Aktionen wie das „female career coaching“ initiieren. Der TK 3 möchte geschlechterspezifische Benachteiligungen im Recht und in der Gesellschaft aufdecken, Erklärungsursachen für diese finden und erste Lösungsansätzen präsentieren.